Beschnittzugabe

Beschnittzugabe – SNACKABLE – häppchenweise Grafiktipps

oder: Darf’s ein bisschen mehr sein?

In dieser Episode geht es um den Druckrand, den Anschnitt und was du tun kannst, damit es keine doofen Blitzer oder abgeschnittenen Inhalte geht.

Die Aufzeichnung

Ich stehe auf dem Markt am Stand mit französischem Käse und möchte „Wilden Bernd“. Die Verkäuferin nickt und geht daran, den Käse anzuschneiden. Dann legt sie das Messer an, schaut zu mir, ob ich denn auch gucke und dann kommt sie, die Frage aller Fragen aller Händler: Und, darf’s ein bisschen mehr sein?

Lächelnd nicke ich. Wie immer. Und ein bisschen grinse ich auch in mich hinein, denn habe ich jemals nein gesagt? Kann mich nicht erinnern.

Und im nächsten Moment mache ich innerlich einen kleinen Vergleich: beim Käse wird der äußere Rand nicht weggeschnitten. Es wird alles verkauft, samt Rinde oder was auch immer der Rand gerade ist. Beim Fleischer wiederum wird der Anschnitt, meist eine ausgefranste, nicht ganz glatte Kante, weggeschnitten. Und gesammelt etwas billiger verkauft.

Beschnitt? Anschnitt? Wegschnitt?

Hallo und herzlich Willkommen in einer neuen Episode von SNACKABLE – häppchenweise Grafiktipps. Mein Name ist Jana Schlosser und ich bin Kommunikationsdesignerin und beratende Gestalterin.

Den Anschnitt gibt’s nicht nur bei Lebensmitteln. Es ist auch ein ganz normaler Bestandteil der Produktion von Drucksachen. Und wenn du ihn nicht kennst, dann kann es passieren, dass dein so liebevoll gestalteter Flyer oder die Postkarte oder auch die Visitenkarte, das Buch, die Broschüre an den Rändern sogenannte Blitzer hat.

Folgendes passiert: Du gestaltest dir deine Drucksache und integrierst dahinein auch Bilder oder Grafiken oder auch farbige Flächen, die genau bis zum Außenrand gehen. Bis an die Kante sozusagen. Bei der Produktion wird auf größerformatigen Papieren gedruckt, die dann im Produktionsprozess irgendwann auf das tatsächliche Format beschnitten werden. Entsprechend der Auflagenhöhe werden viele Blätter übereinander gelegt und zum Schluss gleichzeitig auf das endgültige Format beschnitten. Da ist es natürlich rein physisch nicht möglich, immer alle bis aufs my genau auszurichten. Die liegen halt auch mal ein klitzekleinesbisschen versetzt. Und schon ist die Schneidkante nicht mehr absolut exakt am Format und es entstehen Ränder (die sogenannten Blitzer).

Aus diesem Grund gibt es die sogenannte Beschnittzugabe. Du legst dein Dokument in deinem Grafikprogramm im exakten Endformat an und gibst zusätzlich eine Zugabe von 1 mm bis 5 mm Beschnitt hinzu. Alle Objekte, die in der Gestaltung bis an die Außenkante gehen, müssen jetzt über diesen Rand hinaus noch weitergezogen werden. Die Größe dieser Beschnittzugabe ist abhängig von der Druckerei und ihrer Technologie. Es ist also wichtig, dir vorher die entsprechende Information vom Hersteller zu holen.

Wenn es jetzt mal klitzekleine Abweichungen gibt, dann werden die nicht mehr sichtbar, da ja deine Grafiken und Bilder noch über den Rand hinaus angelegt sind.

Die Beschnittzugabe muss dann natürlich vor der Datenabgabe bei der Druckerei in deiner Druckdatei mit angegeben werden. Üblicherweise werden PDF-Dateien zur Datenübertragung genutzt und hier ist es ganz einfach möglich, den Beschnitt exakt anzugeben.

Ha, ich drucke ja gar nicht. Alles online!

Hm, ja, wir wollen Ressourcen sparen und überlegen inzwischen sehr genau, ob gedruckt wird oder Informationen online versendet werden. Hier entsteht jetzt ein ganz anderes Problem.

Du versendest deinen schön gestalteten Flyer an eine potenzielle Kundin und die findet den so informativ, dass sie auf „drucken“ drückt und ihn für sich und ihre Unterlagen ausdruckt.

Beim Ausdrucken an einem DIN A4 Drucker oder Kopierer ist der Anschnitt abgeschnitten. Er spielt sozusagen keine Rolle, denn alle Drucker haben werkseitig eingestellt einen weißen Außenrand.

Die weißen Ränder eines Druckers oder Kopierers betragen meistens rechts, links und oben 4 mm und unten 9 mm.

Aus diesem Grund ist es schlau, wenn du dir schon im Vorfeld deiner Gestaltung darüber im Gedanken machst, die die Weiterverarbeitung und Nutzung deiner Drucksache ist.

Soll sie online versendet werden und dann eben u.U. ausgedruckt, dann lege Bilder und Grafiken oder auch farbigen Hintergründe immer unbedingt so an, dass
– sie entweder gar nicht bis an die Außenkante gehen (und du den Druckerrand einkalkulierst), oder
– es bei der Gestaltung unerheblich ist, ob der Rand auch einfach weiß bleibt. Dann dürfen wichtige Informationen und grafische Elemente nicht zu weit an der Außenkante positioniert werden.

Fazit

In meiner Arbeit überlege ich mit meinen Kundinnen immer sehr genau im Vorfeld, was sie für ihr Unternehmen wirklich benötigen und ob sie Druckerzeugnisse nutzen wollen oder online-Materialien versenden. Diese Vorabüberlegungen sind für die professionelle Qualität sehr wichtig.

Wenn du mehr über mich oder mein Angebot erfahren möchtest, dann schau doch einfach mal auf meiner Website vorbei: www.janaschlosser.de.

Und natürlich kannst du dich auch einfach an mich wenden, wenn du Fragen hast. Entweder du trägst dich zu einem kostenfreien Gespräch in meinem online-Kalender ein oder du sendest mir eine E-Mail: grafik@janaschlosser.de

Spoiler für die nächste Episode

Neulich half ich einem Rollstuhlfahrer dabei, über eine doofe Kante an der Tür in einen Laden zu kommen. Diese Kante verwunderte mich nicht nur, sondern machte mich wütend, denn die Kante war unnötig und machte es Menschen mit Behinderung sehr schwer.

Weißt du eigentlich, dass auch im Kommunikationsdesign das Thema Barrierefreiheit immer wichtiger wird? Was das heißt und wo es überall beachtet werden sollte, das erzähle ich in der nächsten Episode.

Bis dahin, sei neugierig!

Deine Jana

Hören kannst du diese Episode übrigens auf allen gängigen Podcast-Apps.
Schau doch mal hier, da habe ich die Wichtigsten verlinkt.